Und wenn der Sommer anklopft und der erste Sonnenbrand sich anmeldet, wird’s auch mal wieder Zeit zu grillen. Nur nicht, wenn’s nicht bald mal aufhört, dass es stürmt / waht / wettert / schütt / pfeift / blost oder Ähnliches (dazu ein andern Mal mehr). Deswegen die Frage danach, wie es denn heißt, wenn man den [Griller nicht anheizen konnte].
1. Lexik – Wortwahl: anheizen, anzünden, ankennten
Unter den Angaben, die auf die warme Komponente anheizen / anzünden / ankenntn verzichtet haben, finden sich den Griller anschmeißen, anstarten, wegstarten, ankriegen, anbekommen, anwerfen, verwenden (Grill an-V). Den Griller nur zu heizen, zeigt sich im Mostviertel in NÖ. Die Hitze im Blick habend, finden wir ankenntn nur vereinzelt in Oberösterreich und in der Nähe im Bayerischen Gebiet. Vom Ursprung des kenntn‘s her scheiden sich die Geister: Während manche eine Verbindung zu etwa dem englischen kindle sehen, also von einer gemeinsamen germanischen Form ausgehen, meinen andere die candle entlehnt aus dem Lateinischen accendere ‚entzünden‘ stünde dem näher. Das Anzünden scheint in den südöstlichen Bundesländern ausgespart – Obacht: Hier kamen bisher weniger Umfragenteilnehmer*innen her.
Es handelt sich insgesamt also wohl weniger um regionale Wortwahl-Präferenzen.
2. Lautung: "können" = kenna, kinna, künna, kunna
Und mit den vielen Antworten der Teilnehmenden wird mir plötzlich auch bewusst, warum man als Pendler OÖ-Sbg solche Probleme mit dem "Können" hat. Vorallem in Oberösterreich und im Norden kinna(n) die Leute, derweil man im Süden mehr kenna(n) würde. Können notierte man vorallem in Wien. Im Pongau in Salzburg finden wir kunna, in Vorarlberg ist es künna und im Burgenland springt ein längeres kiena hervor.
Die vielen "Sonstiges" ist darauf zurückzuführen, dass einige ohne "können" auch sehr gut auszukommen scheinen. Sie der-starten oder dahazn den Griller oder haben ihn halt z.B. net odazundn (kriagt).
3. Vom Mitmachen und ersetzt werden: Präteritum, Partizipien und Ersatzinfinitive
So viel zu den Nennformen von "können": Denn im Teilsatz "den Griller nicht anheizen konnten" ersetzen wir gerne das uns vermehrt fremde "konnte" der Mitvergangenheit durch das Perfekt und da sind wir wohl auch keine Freunde der ge-Formen bei Modalverben - Es folgt zumeist ein Perfekt mit Ersatzinfinitiv: ..., dass wir den Griller nicht anheizen / anzünden haben können.
Nur einige wenige kam ein konnten oder kunnten über die Tastatur.
Aber auch die Partizipform gekonnt scheint eher außerhalb beliebt zu sein - das Hutterische in den USA liefert den einzigen Beleg für ein vollständiges Partizip mit ge- V - t. Nur das Salzkammergut nähert sich dem mit kinnt (ge-Ausfall, wenn g- auf k- stößt) gerade noch an. Andernfalls sind sich die meisten einig und ersetzen die Form des Modalverbs mit dem Infinitiv. Eine gängige und beliebte Strategie für alle Verben, die die Art und Weise (Verbote, Wünsche, Erlaubnis, Unfähigkeit, etc.) auszeichnen:
- "..., dass er es nicht sagen hat müssen" statt "gemusst"
- "..., dass sie ihn treffen hat dürfen" statt "gedurft"
- "..., dass wir es ihr noch geben haben wollen" statt "gewollt"
4. Wortabfolge am Satzende
Und als wäre das alles nicht schon genug, varriieren wir natürlich noch weiter: Erneut fährt Oberösterreich mit seinen Besonderheiten auf - nicht nur, dass wir nicht okenntn kenna hom (V können haben), auch findet sich im Welser Raum die einzige Nennung von "haben V haben können" ('n Grü nedda ned hom ozinda hom kenna). Dass ma den Griller okriagt / anbekommt, zum Laufen / Gehen (an)brocht hom scheint auch vermehrt außerhalb OÖ beliebt zu sein. Am meisten findet sich jedoch, dass ma den Grilla net ohazn hom kinna ( V haben können). Nur Tirol fährt voll auf mit seinen der-Formen (nicht ondrzuntn / onderschiercht / dastart hom) .
Vereinzelt finden wir dafür "haben können V" (nit hom kennen onhazn) in Osttirol und "haben gekonnt V" (nit amol hom gikennt anhetzn) aus dem Hutter-Deutschen. "haben V können" (ned hom onhazn kenna) finden wir nur einmal im nördlichen Salzburg.
Und weiter geht's wie immer, indem möglichst viele Leute an den Umfragen teilnehmen. Es zeigt sich ja, dass Kärnten und Steiermark bisher noch nicht begeistert waren - deswegen werden die Umfragen auch nicht geschloßen und können jederzeit nachgeholt werden!
Noch im Juni gibt es dann auch eine neue Umfrage, aber kein Grund darauf zu warten. Einfach mitmachen, teilen und Leute einladen!
