Gstoßn, (g)steßn, gschupft und gschubst im Dialekt

Erneut die vierte Dialekt-Umfrage und noch immer interessiert es uns, wie sich „Der Unfall“ ereignet hat – oder genauer: ob es Fremdeinwirkung gab. Auf die Frage, ob die Gattin nicht doch mitgewirkt hat, tut sich folgendes Bild auf :
[Ein Hover-Over über die Kategorien vereinfacht die Suche nach wenig auftretenden Formen]

Während <gstoßn> und <gsteßn> (sowie einmalig auch mit ge-Ausfall <steßn> in Wien) in der Anzahl ihrer Nennungen recht gleichmäßig verteilt sind (nur scheint <gsteßn> vergleichsweise eher Städte zu meiden), verwehren sich diese Kärtnen vollständig. Hier wird man, wie auch in Vorarlberg, allen voran <gschupft>.
Osttirol tut sich einmalig mit <gschutzt>, das südliche Vorarlberg einmalig mit <gschukt> hervor. <An Steßa> kriegt man nur östlich, wo man in Salzburg und im nördlichen Oberösterreich noch <an Renna> abkriegt. Dafür wird dort vermehrt <gschubst>, seltener <ghaut>. Für <gschmissn> gibt es keine auffällige regionale Verteilung. Nur in Linz kann jemand jemanden auch <owi drahn>. Das Burgenland meidet die Umfragen weiterhin.

Und wie schaut's bei dir aus, wenn du den Hochzeitstag vergisst? Hier mitmachen und die eigene Sprechweise verewigen, wenn es in die mittlerweile sechste Umfrage "Der Hochzeitstag" geht. Auch die fünfte Umfrage "Der Fleischkauf" kann noch von Teilnahmen profitieren.

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Rotkraut 2.0 – Blaukraut 2.0

Was sich nicht alles tut, wenn ma einfach a weng mehr Leit frogt…

Hier zeigt sich, dass sich auch das Teilnehmen an „älteren“ Umfragen noch lohnt und dabei hilft die Karten zu verbessern. Denn mittlerweile haben über 200 Personen auch an der zweiten Umfrage („Am Markt“) teilgenommen und obwohl ein Gleichstand zwischen den Rotkrautlern und Blaukrautlern herrscht (75 : 75) ist die Verteilung umso klarer. Denn das meiste Blaue kommt weiterhin aus Oberösterreich (da kommen auch die meisten Teilnehmenden her) und kommt in den anderen Bundesländern nur vereinzelter vor, wo es sich die Waage zu halten scheint. Auch das Rote ist unter den Kohl-Anhängern stärker vertreten und sammelt sich offenbar besonders in Innsbruck und Umgebung. Ein paar schöne Ergänzungen bietet auch Vorarlberg mit seinem Krut (nördlich wohl rot, südlicher blau) und auch wenn nicht alle mit dem Gemüsebild etwas anfangen konnten (deswegen wohl die Salatsorten-Nennungen, wie etwa „Raddicchio“ oder gleich ins Absolute gehend „Ka Lewerkas“ [ich hab sehr gelacht, danke dafür! Ich bitte aber trotzdem darum, dass der eigene Dialekt eingetragen wird]), wird die Karte mit mehr Teilnehmenden eben immer umso schöner!
Also bitte gerne teilen, sharen, weiterleiten und was sonst so anfällt!

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Vom Grillen und dem Unvermögen

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Und wenn der Sommer anklopft und der erste Sonnenbrand sich anmeldet, wird’s auch mal wieder Zeit zu grillen. Nur nicht, wenn’s nicht bald mal aufhört, dass es stürmt / waht / wettert / schütt / pfeift / blost oder Ähnliches (dazu ein andern Mal mehr). Deswegen die Frage danach, wie es denn heißt, wenn man den [Griller nicht anheizen konnte].

1. Lexik – Wortwahl: anheizen, anzünden, ankennten

Unter den Angaben, die auf die warme Komponente anheizen / anzünden / ankenntn verzichtet haben, finden sich den Griller anschmeißen, anstarten, wegstarten, ankriegen, anbekommen, anwerfen, verwenden (Grill an-V). Den Griller nur zu heizen, zeigt sich im Mostviertel in NÖ. Die Hitze im Blick habend, finden wir ankenntn nur vereinzelt in Oberösterreich und in der Nähe im Bayerischen Gebiet. Vom Ursprung des kenntn‘s her scheiden sich die Geister: Während manche eine Verbindung zu etwa dem englischen kindle sehen, also von einer gemeinsamen germanischen Form ausgehen, meinen andere die candle entlehnt aus dem Lateinischen accendere ‚entzünden‘ stünde dem näher. Das Anzünden scheint in den südöstlichen Bundesländern ausgespart – Obacht: Hier kamen bisher weniger Umfragenteilnehmer*innen her.

Es handelt sich insgesamt also wohl weniger um regionale Wortwahl-Präferenzen.

2. Lautung: "können" = kenna, kinna, künna, kunna

Und mit den vielen Antworten der Teilnehmenden wird mir plötzlich auch bewusst, warum man als Pendler OÖ-Sbg solche Probleme mit dem "Können" hat. Vorallem in Oberösterreich und im Norden kinna(n) die Leute, derweil man im Süden mehr kenna(n) würde. Können notierte man vorallem in Wien. Im Pongau in Salzburg finden wir kunna, in Vorarlberg ist es künna und im Burgenland springt ein längeres kiena hervor.

Die vielen "Sonstiges" ist darauf zurückzuführen, dass einige ohne "können" auch sehr gut auszukommen scheinen. Sie der-starten oder dahazn den Griller oder haben ihn halt z.B. net odazundn (kriagt).

3. Vom Mitmachen und ersetzt werden: Präteritum, Partizipien und Ersatzinfinitive

So viel zu den Nennformen von "können": Denn im Teilsatz "den Griller nicht anheizen konnten" ersetzen wir gerne das uns vermehrt fremde "konnte" der Mitvergangenheit durch das Perfekt und da sind wir wohl auch keine Freunde der ge-Formen bei Modalverben - Es folgt zumeist ein Perfekt mit Ersatzinfinitiv: ..., dass wir den Griller nicht anheizen / anzünden haben können.

Nur einige wenige kam ein konnten oder kunnten über die Tastatur.

Aber auch die Partizipform gekonnt scheint eher außerhalb beliebt zu sein - das Hutterische in den USA liefert den einzigen Beleg für ein vollständiges Partizip mit ge- V - t. Nur das Salzkammergut nähert sich dem mit kinnt (ge-Ausfall, wenn g- auf k- stößt) gerade noch an. Andernfalls sind sich die meisten einig und ersetzen die Form des Modalverbs mit dem Infinitiv. Eine gängige und beliebte Strategie für alle Verben, die die Art und Weise (Verbote, Wünsche, Erlaubnis, Unfähigkeit, etc.) auszeichnen:

  • "..., dass er es nicht sagen hat müssen" statt "gemusst"
  • "..., dass sie ihn treffen hat dürfen" statt "gedurft"
  • "..., dass wir es ihr noch geben haben wollen" statt "gewollt"

4. Wortabfolge am Satzende

Und als wäre das alles nicht schon genug, varriieren wir natürlich noch weiter: Erneut fährt Oberösterreich mit seinen Besonderheiten auf - nicht nur, dass wir nicht okenntn kenna hom (V können haben), auch findet sich im Welser Raum die einzige Nennung von "haben V haben können" ('n Grü nedda ned hom ozinda hom kenna). Dass ma den Griller okriagt / anbekommt, zum Laufen / Gehen (an)brocht hom scheint auch vermehrt außerhalb OÖ beliebt zu sein. Am meisten findet sich jedoch, dass ma den Grilla net ohazn hom kinna ( V haben können). Nur Tirol fährt voll auf mit seinen der-Formen (nicht ondrzuntn / onderschiercht / dastart hom) .

Vereinzelt finden wir dafür "haben können V" (nit hom kennen onhazn) in Osttirol und "haben gekonnt V" (nit amol hom gikennt anhetzn) aus dem Hutter-Deutschen. "haben V können" (ned hom onhazn kenna) finden wir nur einmal im nördlichen Salzburg.


Und weiter geht's wie immer, indem möglichst viele Leute an den Umfragen teilnehmen. Es zeigt sich ja, dass Kärnten und Steiermark bisher noch nicht begeistert waren - deswegen werden die Umfragen auch nicht geschloßen und können jederzeit nachgeholt werden!

Noch im Juni gibt es dann auch eine neue Umfrage, aber kein Grund darauf zu warten. Einfach mitmachen, teilen und Leute einladen!

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„Oiwei hots nan mit… -zaht, -gschleppt, -grissn, -gstrutzt, -gschläpft …“

Ein paar Dinge vorneweg: Die Verwandtschaft ist zu Besuch!

Und wie so üblich wird da alles einmal aufgeräumt, umgestellt und umgekrempelt. Mit der neuen Karte sind wir nun auch endlich in der Lage deutschsprachige Gebiete außerhalb der DACH-Länder (Deutschland, Österreich, Schweiz) abzudecken, denn es gibt Umfragenantworten aus den Nachbarländern sowie auch den ferneren Regionen. Aufgrund des sehr gern gesehenen Inputs aus Italien und auch einer deutschsprachigen Sprachinsel in den USA (hier: südbairisches Hutterisch als links unten eingefügter und verkleinerter US-Bundesstaat), wird die Karte angepasst und ergänzt – die nördlichen Gebiete fliegen dagegen vorerst raus.

Die Kartierung erfolgt anhand der Angabe, wo man aufgewachsen ist bzw. den Dialekt erlernt hat. Auch beim Hutterischen handelt es sich dementsprechend nicht nur um den Wohnort oder zeigt nur ein Auswandern an (zumindest nicht in erster Generation!).

Aber was zeigt sich hier? Zweierlei Dinge:

  1. Lexik / Wortwahl und Lautliches:
    Ob jemand jemanden mit- zaht, -zerrt, -zieht, -schleift, -nimmt, -reißt, -schleppt, oder -strutzt.
    Neben dem Offensichtlichen, dass man in Österreich wohl vermehrt im Norden die Leit mizaht, wird man bei den Alemannen wohl mitgschläpft – ggf. wird jemand noch mitgno. Das nördliche Oberösterreich hat sie mitgnumma. In der Steiermark wird öfters auch geschleppt ; grissen wird erneut im bisher bereits öfters aus der Reihe tanzendem Pongau. Zwischen diesem und dem Salzkammergut finden sich auch lautliche Formen des mitzacht. Während Italien vorerst mit gstrutzt einen „Ausreißer“ parat hat, gliedert sich Hutterdeutsch dem großen Ganzen an. Denn mitgschliffen kann man noch überall hin werden.
  2. Wortbildung:
    Schleifen kann wie so viele seiner Kollegen der starken Verbalkonjugation (also Partizip mit ge-VERB-en; geschliffen) einen Wandel zur schwachen Verbform unternehmen (ge-VERB-t; geschleift), wobei diese bei diese Form bisher noch seltener vertreten ist.
    (vgl. z.B. etwa Wandeltendenzen vom eigentlich starkem scheinen – Hat die Sonne geschienen oder gescheint ?)
    Auch die ge- Formen sind dahingehend spannend, dass diese eigentlich oftmals ausfallen, wenn g-, k-, t-, d- folgen.
    (vgl. z.B: eben gezogen -> zogen; getroffen -> troffen; gekocht -> kocht, etc.)
    Auch ziehen hat trotz des Buchstabens <z> eigentlich einen [ t(s) ]-Laut inne und führt des Öfteren zum ge- Ausfall. Das hingegen erhalten geblieben ge- zeigt sich vorallem im südlichen Raum, aber auch dort hat es eher Seltenheitswert.

Und… redtst du a so? Hier mitmachen! Sei bei der nächsten Karte mit von der Partie!

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Nimma drauf denkt, a net dran docht ghobt…

Erneut aus der ersten Umfrage „Bei den Maiers“: Hier zeigen sich viele verschiedene dialektale Formen, um sich an etwas zu erinnern. Manche denken darauf, während andere daran denken. In der Vergangenheit hat man’s sich dann (ge)denkt oder (ge)docht (gehobt). Bei letzterem ist die Kurzform (dran) docht häufiger vertreten als die Form denkt. Im Tiroler Land scheint die Lage besonders vielfältig, denn hier finden sich Mischformen an etwas (dr)aufzudenken, aber auch die anderen Bundsländer sind sich nicht flächendeckend einig.

Wie immer gilt auch hier: Die Umfragen werden nicht geschlossen.

Also: Fehlt dir was? Redst du anders? Wie sagt dein Ort?

Na dann trag es doch hier sowie bei den anderen Umfragen ein und auf den nächsten Karten bist du mit deinem Dialekt und Ort vertreten!

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