Und wenn Österreich eins kann, dann ist es fluchen!

Und das in einem Ausmaß, dass sich kartographisch hier gar nichts darstellen lässt…

Von den vielen Antworten auf die Frage nach einem neckischen Ausdruck für einen männlichen Bekannten, reihen sich Deppen an Wappla und Dodln. Lausa und Lausbuam, Doims und Hawara wurden ebenso öfters genannt, die restlichen Nennungen waren (bisher noch!) Unikate. Von tierbelasteten Eseln, Fischen, Affen, Focken (‚Ferkeln‘), Hund(ling)en oder Storchnhoxaten, dass uns den Vogl außa haut, bis hin zum Kulinarischen Wiarschtl oder Pferscha (‚Pfirsich‘) oder etwa dem Roma entlehnten Dillo (‚Verrückter‘), tschechischem Strizzi (‚Onkel‘) oder Halawachl (‚Schlingel‘ / ‚Bengel‘). Da zeigt sich die Vielfalt Österreichs!

Was fehlt? Bisher gab’s noch keine Nudlaugen, Fetznschädl, Narrisch- oder Damische. Das war doch nicht wirklich alles, oder?

Hier mitmachen und ergänzen, was der Formenvielfalt in Österreich eindeutig noch zu fehlen scheint! Also: Sog amoi, wie fluchstn eigentli wirkli?

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„Oiwei hots nan mit… -zaht, -gschleppt, -grissn, -gstrutzt, -gschläpft …“

Ein paar Dinge vorneweg: Die Verwandtschaft ist zu Besuch!

Und wie so üblich wird da alles einmal aufgeräumt, umgestellt und umgekrempelt. Mit der neuen Karte sind wir nun auch endlich in der Lage deutschsprachige Gebiete außerhalb der DACH-Länder (Deutschland, Österreich, Schweiz) abzudecken, denn es gibt Umfragenantworten aus den Nachbarländern sowie auch den ferneren Regionen. Aufgrund des sehr gern gesehenen Inputs aus Italien und auch einer deutschsprachigen Sprachinsel in den USA (hier: südbairisches Hutterisch als links unten eingefügter und verkleinerter US-Bundesstaat), wird die Karte angepasst und ergänzt – die nördlichen Gebiete fliegen dagegen vorerst raus.

Die Kartierung erfolgt anhand der Angabe, wo man aufgewachsen ist bzw. den Dialekt erlernt hat. Auch beim Hutterischen handelt es sich dementsprechend nicht nur um den Wohnort oder zeigt nur ein Auswandern an (zumindest nicht in erster Generation!).

Aber was zeigt sich hier? Zweierlei Dinge:

  1. Lexik / Wortwahl und Lautliches:
    Ob jemand jemanden mit- zaht, -zerrt, -zieht, -schleift, -nimmt, -reißt, -schleppt, oder -strutzt.
    Neben dem Offensichtlichen, dass man in Österreich wohl vermehrt im Norden die Leit mizaht, wird man bei den Alemannen wohl mitgschläpft – ggf. wird jemand noch mitgno. Das nördliche Oberösterreich hat sie mitgnumma. In der Steiermark wird öfters auch geschleppt ; grissen wird erneut im bisher bereits öfters aus der Reihe tanzendem Pongau. Zwischen diesem und dem Salzkammergut finden sich auch lautliche Formen des mitzacht. Während Italien vorerst mit gstrutzt einen „Ausreißer“ parat hat, gliedert sich Hutterdeutsch dem großen Ganzen an. Denn mitgschliffen kann man noch überall hin werden.
  2. Wortbildung:
    Schleifen kann wie so viele seiner Kollegen der starken Verbalkonjugation (also Partizip mit ge-VERB-en; geschliffen) einen Wandel zur schwachen Verbform unternehmen (ge-VERB-t; geschleift), wobei diese bei diese Form bisher noch seltener vertreten ist.
    (vgl. z.B. etwa Wandeltendenzen vom eigentlich starkem scheinen – Hat die Sonne geschienen oder gescheint ?)
    Auch die ge- Formen sind dahingehend spannend, dass diese eigentlich oftmals ausfallen, wenn g-, k-, t-, d- folgen.
    (vgl. z.B: eben gezogen -> zogen; getroffen -> troffen; gekocht -> kocht, etc.)
    Auch ziehen hat trotz des Buchstabens <z> eigentlich einen [ t(s) ]-Laut inne und führt des Öfteren zum ge- Ausfall. Das hingegen erhalten geblieben ge- zeigt sich vorallem im südlichen Raum, aber auch dort hat es eher Seltenheitswert.

Und… redtst du a so? Hier mitmachen! Sei bei der nächsten Karte mit von der Partie!

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De Preise san (gscheid) … gsoizn / gschmoizn / happig/ oag / teuer / wüd …

Und wie so üblich, schaut’s mit den Geld ungut aus. Aber wie sagt man denn dazu, wenn’s mit den Preisen immer schlimmer wird?

Während arg eine Variante ist, die fast überall vorkommt, zeigen sich ein paar andere Worte stark gebündelt. happig scheint westlich mehr als arg noch vertreten zu sein, wobei fast alle Bundesländer betroffen sind – in Oberösterreich allerdings nur bei genauerem Hinsehen. Steil ist es dafür offenbar nur im nördlichen Österreich, auch wüd zeigt sich nur in und oberhalb des Salzkammerguts. Niederösterreich ist gespalten: Gschmoizn im Waldviertel, und wenn man ganz genau hinsieht (hineinzoomen!), geht’s heftig im Mostviertel zu, dort scheint es auch eher teuer zu sein. Zach ist wohl ein Salzburger Phänomen und wird vom Argen überlagert (erneut: ganz genau zoomen!) – dem oag verwehrt sich Vorarlberg dafür vollständig.

Und wie sogst du? Hier mitmachen und die Preise benennen, wie sie so sind: gsoizn, gschmoizn, happig, oag, teuer, wüd, zach …

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Im Grund s söbe: Kartoffeln, Erdäpfel/-birnen …

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Auch im Grunde zeigen sich Grenzen auf: Während das aus dem Italienischen entlehnte und lautlich veränderte Kartoffel (ital. tartufolo, von Lateinisch terrae tuber mit der Bedeutung der „Erdknolle“) zwar durchaus oft vorkommt, zeigen die Antworten im Österreichischen die Treue zum lexikalischen Gegenspieler und anerkannten Austriazismus auf. Der Erdapfel zeigt das selbe Benennungsmotiv, nimmt in Vorarlberg und dem Burgenland aber vermehrt eine andere Grundform ein- nämlich die der Grundbirne (vereinfacht meist „Grumpa“). Besonders spannend lassen sich auch die stark reduzierten Formen „Eapfi“ (als solche notiert, wenn die „Erde“ nur noch aus Vokalen bestand und nicht auf -d / -scht / -cht endete) im nördlichen Mühlviertel, mehr aber im Waldviertel finden und das oberösterreichische Salzkammergut liefert mit Erdbohne (Echpo / Echdbon) ein besonderes Schmankerl. Im Salzburger Pongau Richtung Pinzgau finden sich auch bei genauerem Zoomen auch Erdlinge (Eachtlinge) wieder. Die Nennungen von Erdbirne im Mostviertel geht bei den vielen anderen Antworten geradezu unter.

Update 11.11.2023: Ein Patate hat sich mittlerweilen dazugesellt und im Hutter-Deutschen finden wir die Form Kartoffel als Kattufl notiert, die offenbar einen starken <u>-Laut des ital. tartufolo noch beibehalten hat. Auch ist die Ausbreitung von Erdäpfel noch einmal deutlich gestiegen! Darunter fallen nun allerdings die vielen Erpfi, Echpfi etc. zusammen – denn die möglichen Aussprachevarianten waren für eine Karte einfach zu viel… Vielen Dank für’s Mitmachen!

Nicht zufrieden mit den Ergebnissen? Dann am besten einfach selbst mitmachen!

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Anbandeln, etwas miteinand (am Laufen) hom …

Um den Frühlingsgefühlen Ausdruck zu verleihen, wurde auch abgefragt, wie man das denn nennt, wenn zwei Personen sich annähern und sich daraus etwas entwickelt:

Während anbandeln eine der meistgenannten Antworten war, finden sich auch ein paar Gspusis (welche wir uns aus dem Italienischen geborgt haben) und ein paar Pantscherl wieder, welches des Öfteren als echt Wienerisch klassifiziert wird. Interessenterweiser nannten das Pantscherl aber kein einziger Wiener unter den Teilnehmenden. Da wurde mitunter miteinander geredet oder kokketiert. Auch miteinander gehen tun anscheinend nur wenige von uns, wenn schon, dann hat man was am Laufen. Offenbar wird eher an etwas festgehalten: Man hat was miteinander.


Die Antworten passen dir nicht? Dann mach doch bei den Umfragen mit und erzähl: Wia redtsn eigentli wirkli?

Hier geht’s zu den Umfragen!

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Blaukraut bleibt Blaukraut – im Osten bleibts doch eher rot.

Und auf die Frage, wie man denn zu diesem oder jenen Gemüse sagen würde, gab es dann doch ein paar Raummuster für Blau– bzw. Rotkraut bzw. –kohl.

Allen voran war Kraut jedenfalls die beliebtere Bezeichnung – Kohl findet sich nur selten. Rot und Blau hielten sich dahingehend die Waage, wobei diese im Osten und in Großstadtnähe stärker dem Rot Nahe zeigten.

Den ursprünglichen Grund für die unterschiedlichen Benennungen, nämlich die tatsächliche Färbung des Kraut aufgrund unterschiedlicher Säuregrade der Böden, aus denen diese wuchsen, oder der Zubereitung (rot = säuerlich; blau = alkalisch / basisch), ist aus den Antworten der Teilnehmenden also nicht mehr erkennbar.
(Blau zuerst stärker südlich – vermehrt mit Zucker zubereitet; Rot vermehrt nördlich des deutschsprachigen Raumes- mit Essigzubereitung)

Stattdessen können wir hier viele Blaukraut-Nennungen im Norden Oberösterreichs finden und die meisten Rotkraut-Nennungen im Osten und um Ballungszentren herum. In Tirol findet sich auch wieder der Kohl mehr, vermehrt in Form des Rotkohls.

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Ab ins Födl: Mais, Gugaru(t)z / Kukuru(t)z, „Türken“ und Woa(t)z…

Und dort wächst was? Aus der zweiten Umfrage Am Markt haben sich einige Antworten hervorgetan und auch wenn die Schreibung etwas variiert, zeichnen sich Raumbilder ab: Der Gugaru(t)z – so wurde es gewertet, wenn ein a -Laut notiert wurde, unabhängig von härterem K oder weicherem G – findet sich eher im mittleren österreichischen Raum, wohingegen der Kukuruz – wenn durchgängig u notiert wurde – sich eher im Osten findet. Einen Wörterbucheintrag der Form Gugaruz findet sich im Boarischen Wikipedia, wobei die Schreibweise von Kukuruz näher dem Ursprungswort ähnelt, welche aus dem Serbokraotischem stammt. Im Westen zeigt sich dann wieder der Mais (den wir uns aus der Ursprungssprache Taino mahís beibehalten haben, vgl. etwa DWDS) und auch Vermerke vom abgekürzten „türkischen Weizen“ (kurz Dirg(g)n in verschiedenen Schreibweisen) sind dort vermehrt anzusiedeln.

Aus dem steirischen Raum gab es auch ein paar Umfrageteilnehmer, die Woa(t)z für ihre Region aktenkundig gemacht haben. Kannst du sie auf der Karte finden?

Wie immer danke für's Mitmachen und gerne weiter dabei bleiben! Die Umfragen werden nicht geschlossen - Es kann also gerne jederzeit noch geholfen werden den Dialekt für die eigene Region zu schärfen!

Du datst anders sogn? Dei Ort redt net so?

Deine Region ist gar nicht vorhanden oder das Ergebnis stimmt nicht mit dem überein, was du sagen würdest?
Gleich hier mitmachen und das Bild gerade rücken!

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Der Streit – Auf ein Neues!

Und weil’s so schön ist, geht’s auch gleich weiter. Auch in der dritten Umfrage geht’s darum, „wie ma eigentli wirkli redt“. In „Der Streit“ kriegen sich zwei in die Haare, als sie versuchen vergangene Ereignisse zu rekonstruieren. Ein Haufen „Stimmt net“ – „Stimmt scho“, aber keine Sorge: Der eigene Dialekt steht wieder einmal im Vordergrund!

Der Streit
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Die Teilnahme an der Studie ist freiwillig. Sie können den Fragebogen jederzeit abbrechen. Ihre Teilnahme ist anonym. Ihre Antworten können nicht auf Sie zurückgeführt werden. Ihre Daten werden ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke verwendet. Die Forschung folgt keinem kommerziellen Interesse. Wir behandeln alle Ihre Daten streng vertraulich.

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Zweite Runde – Am Markt

Es geht weiter mit der zweiten Umfragenrunde. Wieder geht’s allen voran um den eigenen Dialekt!

Am Markt
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Kleinere Ergebnisse aus der ersten Runde gibt es bereits hier zu sehen und werden immer wieder aktualisiert. Mitmachen lohnt sich!

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„kaputt“, „eingonga“ oder hoit „hin(n)ig“…

In der ersten Umfrage wurde mitunter abgefragt, wie man denn „kaputt“ in den eigenen Dialekt übersetzen würde, wenn man sich auf ein Auto bezieht. Besonders beliebt war dabei die Formen hi(n), neben der seltener auftretenden Form hin(n)ig. Kaputt ist hingegen nicht nur nahe der Hauptstädte zu verorten, sondern scheint darüber hinaus aufzutreten. Eingonga war die wenigst-gewählte Variante unter den Teilnehmenden.

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