Wer das Fleisch verarbeitet … im Dialekt

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Aus der fünften Dialekt-Umfrage „Der Fleischkauf“ geht hervor, dass wir uns in der Wortwahl wieder einmal spalten.

Nämlich in Ost und West. Während der Fleischer, der auch die Vorgabe im Satz war („aus dem wird kein [Fleischer] mehr“), etwas größere Ausläufer gen Westen hat, zeigt er sich wie auch der Fleischhacker stärker auf den Osten beschränkt. Der Metzger steht dazu geradezu komplementär und nimmt für sich den Westen ein. Einzig der Fleischhauer taucht einige wenige Male in Wien und Oberösterreich auf.

Während die Wortherkünfte (die Etymologien) für Fleischer, Fleischhacker und Fleischhauer sehr eindeutig sind, ist der Ursprung von Metzger nicht eindeutig nachzuweisen. Man geht von einer Entlehnung aus dem Lateinischen aus, in welcher der Wursthändler und Fleischhändler ( mat(t)iārius ; abgeleitet von mattea, mat(t)ia ‘Fleischgericht, Wurst, Darm’) bereits zur Zeiten des Althochdeutschen (750 – 1050) als meʒʒiāri und im Mittelhochdeutschen (1050 – 1350) als metzjære seinen Weg zu uns gefunden hat und sich in der gesprochenen Sprache und dem Dialekt festigen konnte.

Die Hover-Over-Funktion ermöglicht einzelne Kategorisierungen hervorzuheben und die Ost-West-Spaltung noch genauer zu betrachten.

Da bei der fünften Umfrage sich insbesonders Tirol ziemte und nicht so recht mitmachen wollte, sind Antworten aus dem Westen noch jederzeit erwünscht, um auch dort die Verteilung von Wortwahl, Wortform und Lautlichem zu belegen!
Hier geht's nochmal zur fünften Umfrage "Der Fleischkauf" und wer darüber hinaus noch motiviert ist, dem sei natürlich die neueste Umfrage "Der Hochzeitstag" sehr ans Herz gelegt.

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Immer wieder, immer wieder … Dialektumfragen Österreich

Dass das mit der Liebe nicht so einfach ist, ist nicht nur Valentinstag-spezifisch. Auch Hochzeitstage jähren sich und die Erwartungen sind groß. Enttäuscht werden Sie aber auch nur allzugerne. Auch in der 6. Umfrage von „Heast, sog amoi!“ werden wieder standarddeutsche Sätze in den eigenen Dialekt übersetzt. Man darf sich nur nicht von den vielen „konnte“ und „sagte“ kleinkriegen lassen. Einfach so schreiben, wie ma denn eigentli wirkli redt!

Der Hochzeitstag
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Die Teilnahme an der Studie ist freiwillig. Sie können den Fragebogen jederzeit abbrechen. Ihre Teilnahme ist anonym. Ihre Antworten können nicht auf Sie zurückgeführt werden. Ihre Daten werden ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke verwendet. Die Forschung folgt keinem kommerziellen Interesse. Wir behandeln alle Ihre Daten streng vertraulich.

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Wünschen im Dialekt: Vom tun, werden, wären und dem -ad

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Wenn wir Dinge ausdrücken wollen, die nicht tatsächlich passieren oder passiert sind, müssen wir uns einer Möglichkeits- oder Wunschform bedienen (einem Konjunktiv): z.B. „Ich wünschte, ich hätte ein besseres Beispiel parat.“

Die Form wünscht(e) , die Konjunktiv I-Form, die wir auch aus der Schriftsprache kennen, ist in Österreich allerdings nicht sehr beliebt – wir finden sie nur in einigen wenigen Antworten wieder (dort primär ohne -e). Stattdessen bedienen wir uns einerseits Vergangenheitsformen mit einem Hilfswort im Konjunktiv (also hät(te) gewünscht oder gewunschen) oder anderen Hilfswörtern tun oder werden – also „würde mir wünschen„. Diese Variante kommt insgesamt nur selten vor.

Für täte <dat> finden wir die zusätzliche Ausprägung mit -ad vor, also einem an das Verb anknüpfenden Marker für den Konjunktiv. Ich „darat mir wünschen“. Unter den Antworten findet sich kein einziges <würdat>, auch keine <hättat>, sehr wohl aber <warat>. Diese Form mit dem Marker -ad finden wir auch direkt am Vollverb wünschen wieder, also „wünschat“ / „winschat“. Nach einer Konstruktion mit tun ist das die nächstmeistgenannte Variante. Nur Kärnten und Vorarlberg sparen diese Form bisher gänzlich aus.

Auch recht viele Teilnehmenden gehen diesen Weg erst gar nicht, denn sie wünschen es sich aktiv und zum Zeitpunkt des Sprechens immer noch. Sie benutzen also die Gegenwartsform (den Präsens): „Ich wünsche mir, … “
Vermehrt aufzufinden, ist auch die Strategie „wünschen“ gänzlich zu vermeiden, in dem etwa gesagt wird, man hätte gerne , hätte gewollt oder es wäre bzw. warat einem lieber/recht, schön wäre es und Ähnliches. Letzeres finden wir vorallem im Südosten wieder.

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Als wie wenn i wo wann … Satzverknüpfungen im Dialekt

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Als / Wie / Wo / Wenn / Wann / Boll sie das gehört hat“… ist Dieses oder Jenes geschehen.

Um zwischen mehreren Sätzen und/oder deren genauere Beschreibungen eine Verbindung herzustellen, bedienen wir uns auch im Dialekt einiger Funktionswörter, die diese Verknüpfung für uns bewerkstelligen:

Unter den drei häufigsten Nennungen findet sich:

  • als (eine gekürzte Form von al(l)+sō ), das wir benutzen, um einen Vergleich anzustellen oder hier einen zeitlichen Bezug herzustellen.
  • wie, welches auf die Beschaffenheit einer Sache verweist (also stärker auf diesen einen Moment verweist), und …
  • wo, womit wir etwas genau so in Raum und Zeit verankern können.

Während als grundsätzlich überall vorkommt, liegt das Zentrum von wo deutlich westlicher und findet östlich ab Salzburg eher vereinzelt Anwendung. Die Verwendung von wie nimmt hingegen genau in diesen westlichen Regionen Tirols und Vorarlbergs ab.

Ein paar „Ausreißer“ sind wieder einmal dabei, wenn man den genauer hinsieht (hineinzoomt!):
Nordwestlich von Graz findet sich „wann“ (<waun>), im südlichen Vorarlberg auch „wenn“ und in Südtirol zeigt sich „boll„.

Stellt sich die Frage: Sind das tatsächlich Ausreißer, oder findet sich hier die Alltagssprache wieder?
Am besten überprüft man das, indem weitere Personen mithelfen und Bescheid geben:

Heast, sog amoi! Wia redtsn eigntli wirkli?

Hier geht's zu den Umfragen!

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„Oiwei hots nan mit… -zaht, -gschleppt, -grissn, -gstrutzt, -gschläpft …“

Ein paar Dinge vorneweg: Die Verwandtschaft ist zu Besuch!

Und wie so üblich wird da alles einmal aufgeräumt, umgestellt und umgekrempelt. Mit der neuen Karte sind wir nun auch endlich in der Lage deutschsprachige Gebiete außerhalb der DACH-Länder (Deutschland, Österreich, Schweiz) abzudecken, denn es gibt Umfragenantworten aus den Nachbarländern sowie auch den ferneren Regionen. Aufgrund des sehr gern gesehenen Inputs aus Italien und auch einer deutschsprachigen Sprachinsel in den USA (hier: südbairisches Hutterisch als links unten eingefügter und verkleinerter US-Bundesstaat), wird die Karte angepasst und ergänzt – die nördlichen Gebiete fliegen dagegen vorerst raus.

Die Kartierung erfolgt anhand der Angabe, wo man aufgewachsen ist bzw. den Dialekt erlernt hat. Auch beim Hutterischen handelt es sich dementsprechend nicht nur um den Wohnort oder zeigt nur ein Auswandern an (zumindest nicht in erster Generation!).

Aber was zeigt sich hier? Zweierlei Dinge:

  1. Lexik / Wortwahl und Lautliches:
    Ob jemand jemanden mit- zaht, -zerrt, -zieht, -schleift, -nimmt, -reißt, -schleppt, oder -strutzt.
    Neben dem Offensichtlichen, dass man in Österreich wohl vermehrt im Norden die Leit mizaht, wird man bei den Alemannen wohl mitgschläpft – ggf. wird jemand noch mitgno. Das nördliche Oberösterreich hat sie mitgnumma. In der Steiermark wird öfters auch geschleppt ; grissen wird erneut im bisher bereits öfters aus der Reihe tanzendem Pongau. Zwischen diesem und dem Salzkammergut finden sich auch lautliche Formen des mitzacht. Während Italien vorerst mit gstrutzt einen „Ausreißer“ parat hat, gliedert sich Hutterdeutsch dem großen Ganzen an. Denn mitgschliffen kann man noch überall hin werden.
  2. Wortbildung:
    Schleifen kann wie so viele seiner Kollegen der starken Verbalkonjugation (also Partizip mit ge-VERB-en; geschliffen) einen Wandel zur schwachen Verbform unternehmen (ge-VERB-t; geschleift), wobei diese bei diese Form bisher noch seltener vertreten ist.
    (vgl. z.B. etwa Wandeltendenzen vom eigentlich starkem scheinen – Hat die Sonne geschienen oder gescheint ?)
    Auch die ge- Formen sind dahingehend spannend, dass diese eigentlich oftmals ausfallen, wenn g-, k-, t-, d- folgen.
    (vgl. z.B: eben gezogen -> zogen; getroffen -> troffen; gekocht -> kocht, etc.)
    Auch ziehen hat trotz des Buchstabens <z> eigentlich einen [ t(s) ]-Laut inne und führt des Öfteren zum ge- Ausfall. Das hingegen erhalten geblieben ge- zeigt sich vorallem im südlichen Raum, aber auch dort hat es eher Seltenheitswert.

Und… redtst du a so? Hier mitmachen! Sei bei der nächsten Karte mit von der Partie!

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De Preise san (gscheid) … gsoizn / gschmoizn / happig/ oag / teuer / wüd …

Und wie so üblich, schaut’s mit den Geld ungut aus. Aber wie sagt man denn dazu, wenn’s mit den Preisen immer schlimmer wird?

Während arg eine Variante ist, die fast überall vorkommt, zeigen sich ein paar andere Worte stark gebündelt. happig scheint westlich mehr als arg noch vertreten zu sein, wobei fast alle Bundesländer betroffen sind – in Oberösterreich allerdings nur bei genauerem Hinsehen. Steil ist es dafür offenbar nur im nördlichen Österreich, auch wüd zeigt sich nur in und oberhalb des Salzkammerguts. Niederösterreich ist gespalten: Gschmoizn im Waldviertel, und wenn man ganz genau hinsieht (hineinzoomen!), geht’s heftig im Mostviertel zu, dort scheint es auch eher teuer zu sein. Zach ist wohl ein Salzburger Phänomen und wird vom Argen überlagert (erneut: ganz genau zoomen!) – dem oag verwehrt sich Vorarlberg dafür vollständig.

Und wie sogst du? Hier mitmachen und die Preise benennen, wie sie so sind: gsoizn, gschmoizn, happig, oag, teuer, wüd, zach …

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Im Grund s söbe: Kartoffeln, Erdäpfel/-birnen …

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Auch im Grunde zeigen sich Grenzen auf: Während das aus dem Italienischen entlehnte und lautlich veränderte Kartoffel (ital. tartufolo, von Lateinisch terrae tuber mit der Bedeutung der „Erdknolle“) zwar durchaus oft vorkommt, zeigen die Antworten im Österreichischen die Treue zum lexikalischen Gegenspieler und anerkannten Austriazismus auf. Der Erdapfel zeigt das selbe Benennungsmotiv, nimmt in Vorarlberg und dem Burgenland aber vermehrt eine andere Grundform ein- nämlich die der Grundbirne (vereinfacht meist „Grumpa“). Besonders spannend lassen sich auch die stark reduzierten Formen „Eapfi“ (als solche notiert, wenn die „Erde“ nur noch aus Vokalen bestand und nicht auf -d / -scht / -cht endete) im nördlichen Mühlviertel, mehr aber im Waldviertel finden und das oberösterreichische Salzkammergut liefert mit Erdbohne (Echpo / Echdbon) ein besonderes Schmankerl. Im Salzburger Pongau Richtung Pinzgau finden sich auch bei genauerem Zoomen auch Erdlinge (Eachtlinge) wieder. Die Nennungen von Erdbirne im Mostviertel geht bei den vielen anderen Antworten geradezu unter.

Update 11.11.2023: Ein Patate hat sich mittlerweilen dazugesellt und im Hutter-Deutschen finden wir die Form Kartoffel als Kattufl notiert, die offenbar einen starken <u>-Laut des ital. tartufolo noch beibehalten hat. Auch ist die Ausbreitung von Erdäpfel noch einmal deutlich gestiegen! Darunter fallen nun allerdings die vielen Erpfi, Echpfi etc. zusammen – denn die möglichen Aussprachevarianten waren für eine Karte einfach zu viel… Vielen Dank für’s Mitmachen!

Nicht zufrieden mit den Ergebnissen? Dann am besten einfach selbst mitmachen!

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